Verkostung „Historische Rebsorten“

Verkostung „Historische Rebsorten“

Verkostung des Collegium Vini am 15. Februar 2018
„Historische Rebsorten“
Verantwortlich: Prof. Dr. Ulrich Steger

Link zum Veranstaltungshinweis

1. Begrüßungssekt
(Weißer) Elbling Extra Brut (2015), Weingut Dostert, Nittel (Mosel)
A 12,5 RZ 5,9 S 7,6 (ohne Dosage)

Elbling gehört zu den ältesten Rebsorten, vermutlich deutschen Ursprungs aus spontaner Kreuzung von (Wildrebe + Traminer) x Weißer Heunisch, heute noch ca. 500 ha, vor allem in der südlichen Mosel angebaut. Die frühreifende Sorte ergibt säurebetonte Weißweine, daher zur Sektherstellung besonders geeignet.

2. Roter Riesling (2 flights)
a) Schloss Reinhartshausen Roter Riesling 2016 (Hofgut Mariannenaue)
A 12 RZ 6,1 S 8,2

Dr. Corvers-Kauter, 2016 Roter Riesling, Qualitätswein,
A 12 RZ 5,1 S 8,3

b) Baron Knyphausen 2016 VDP.Gutswein Roter Riesling
A 11,5 RZ 13,1 S 7,7

Heppenheimer Eckweg, Kabinett feinherb (2016), Bergsträsser Winzer e.G., Heppenheim
A 11 RZ 13,9 S 6,8

Entgegen früheren Annahmen ist der Rote Riesling eine farbliche Mutation aus dem normalen Riesling (und wird auch deshalb so ausgebaut), mit etwas besserer Wärmeverträglichkeit (da dickschaliger), geringerer Säure und etwas mineralischer. Früher sehr häufig im gemischten Satz, Renaissance seit ca. 2010, heute im Rheingau und Bergstr. ca. 37 ha, ab 2018 bundesweite Anpflanzung möglich.

3. „Gemischter Satz“
Baron Knyphausen 2015 VDP.Gutswein Gemischter Satz trocken (7 versch. Historische Rebsorten)
A 13,0 RZ 5,9 S 9,3

Alzenztäler Alter Satz „Cöllner Rosenberg“ (2016), Weingut Hahnmühle, Mannweiler-Cölln (Nahe) (Riesling und Roter Traminer)
A 12 RZ 7,0 S 7,2

„ Gemengelage“ (2016), Weingut von Racknitz, Odernheim/Nahe (Disibodenberg)
A 11 RZ 3 S 7
(12 verschiedene Rebsorten, vor allem Burgundersorten, Riesling, Sylvaner, Adelfränkisch, Orleans, Traminer, Elbling)

Der gemischte Satz war bis in die Mitte des 19.Jahrhunderts eine weit verbreitete Anbaumethode, gerade des bäuerlichen Weinbaus. In einer Zeit kälteren Klimas und ohne Chemie stellte die Vielzahl von Rebsorten in einem Weinberg eine Risiko-Streuung dar. Heute gilt er als vielversprechende Methode, historische Rebsorten wieder zu nutzen, weil sich die Nachteile einzelner Sorten ausgleichen, interessante Weine von einer hohen Komplexität entstehen (was viel weinbauliches Können verlangt), die von Jahr zu Jahr variieren.

4. Essensbegleiter:
Baron Knyphausen 2015 VDP.Gutswein Gemischter Satz (7 versch. Historische Rebsorten)
A 12,0 RZ 5,4 S 7,30

5. Die reaktivierten Klassiker
Heunisch 2016 (Rüdesheimer Berg Rottland“), Weingut Breuer, Rüdesheim
A 11.9 RZ 1,4 S 5,9

Der (weiße) Heunisch stammt aus dem frühen Mittelalter (daher gibt es ca. 180 Synonyme!) und gilt als Vater u.a. von Riesling und Chardonnay. Gegenüber dem „feinen fränkischen“ Wein galt er als „grob“ (d.h. minderwertiger, säurehaltiger Wein), aber er war ertragsstark und trieb spät aus (wichtig bei den häufigen Frühjahrsfrösten der „kleinen Eiszeit“). Heute sorgen eine Ertragsbegrenzung und ein längeres Hefelager für einen genießbaren Wein.

Gelber Orleans (2016), Weingut Knipser, Laumersheim/Pfalz
A 13,6 RZ 1,1 S 8,6

Der gelbe Orleans gehört zu den ältesten deutschen „fränkischen“ Weinen, obwohl auch sehr ertragsstark und stark variierend in den Charakteristika. Die dickschaligen Beeren ergeben säurebetonte, alkohol- und körperreiche Weine. In den früheren Hauptanbaugebieten des Rheingaus, Rheinhessens und der Pfalz wurde er jedoch seit Mitte des 19. Jahrhunderts komplett vom Riesling verdrängt.

„Sulzfelder“ Blauer Silvaner (2016). Weingut Zehnthof Luckert, Sulzfelden (Franken)
A 12,5 RZ 2,8 S 5,2

Diese aus dem grünen Sylvaner „zurückgezüchtete“ Rebsorte – manche halten sie für die Urrebe des Silvaners – wurde erst 1984 wieder zugelassen (nicht zu verwechseln mit dem Roten Silvaner, der nur eine Spielart des normalen Silvaners ist, aber vermutlich gab es auch mal eine Rotweinsorte). Die vielschichtige Beerenfarbe variiert von grau bis violett (daher der Name), aber die Farbtiefe reicht nie für einen Rotwein. Die mittel- bis spätreifende Traube erbringt fruchtige Weißweine, Hauptanbaugebiete (ca. 38 ha !) sind Franken und die Hessische Bergstraße.

6. Die wirklich vergessenen Rebsorten (H. Konrad, Hochschule Geisenheim)
2016 Räuschling, Institut für Rebenzüchtung
A 11,6 RZ 1,2 S 6,5

Räuschling ist eine natürliche Kreuzung vom Weißem Heunisch und unbekanntem Elternteil. Im Mittelalter unter dem Namen Drutsch beschrieben. Anbaufläche heute in D 0,04 ha. In der Schweiz um den Zürichsee ca. 25 ha im Anbau.

2016 Blauer Affenthaler Rotwein, Institut für Rebenzüchtung
A 11,3 RZ 0 S 4,4

Natürliche Kreuzung von Weißem Heunisch und Süssschwarz. Nur noch in Einzelexemplaren außerhalb staatlicher Sortimente erhalten.

2016 Blauer Elbling Rotwein, Institut für Rebenzüchtung
A 13,2 0 RZ 0 S 4,6

Natürliche Kreuzung von Weißem Riesling und Trollinger. Wurde mit 2000 Exemplaren an der Bergstraße gefunden. Widerstandsfähig gegen die Kirschessigfliege.

7. Historische Rotweine
Gansfüßer, Musbacher Kurfürst 2012, Rotwein trocken, Staatsweingut Neustadt
A 13,5 RZ 0 S 5,2

Die Herkunft ist unbekannt, der Name leitet sich von der Blattform ab, im 16. Jahrhundert die beliebteste, auch weil spätreifende Rotweinsorte in den nördlichen Weinbaugebieten, wurde aber wegen der unsicheren Erträge verdrängt. Neben der Staatl. Forschungsanstalt Neustadt werden auch im Jura (unter dem Namen Argant, von der DNA her identische) wenige Hektar angepflanzt.

Urban (2015), Weingut Graf Adelmann
A 12,5 RZ 1,0 S 4,3

Diese mit dem Trollinger verwandte Sorte (Herkunft unbekannt) war als ertragsreiche Sorte früher in Süddeutschland, dem ganzen Habsburgerreich und im Norden Frankreichs verbreitet, oft auch als Tafeltraube und oft im gemischten Satz, wegen der Empfindlichkeit gegenüber Temperaturschwankungen heute faktisch ausgestorben.

Valle de Aconcagua Caménére Gran Reserva trocken (2015), Vina Baron Knyphausen, (Chile)
A 14 RZ 2,77 S 3,47

Ein Sprung nach Chile: dort hatte diese ursprünglich aus Frankreich kommende Rebsorte vor 150 Jahren die Reblaus überlebt. Durch DNA-Analyse konnte festgestellt werden, dass sie nicht mit den Sorten Merlot und Cabernet Sauvignon verwechselt werden darf (obwohl sie ampelographisch ähnlich aussieht). Die spät reifende, ertragsunsichere Rebe neigt zum Verrieseln und ist anfällig für Wurzelprobleme, deshalb hat sie die dominante Stellung, die sie im Medoc des 18.Jahrhunderts hatte, verloren. Neben Chile findet sie sich heute noch in Norditalien und China.

8. Zum guten Schluss
Tauberschwarz (2015), Weingut Hofmann, Röttingen (Tauberfranken)
A 13,5 RZ 5 S 4,5

Diese seit dem 16. Jahrhundert nachgewiesene Rebsorte aus dem Tauber- und Vorbachtal wird heute auch nur noch dort auf ca. 12 ha angebaut und ist deshalb auch in die Slow Food „Arche des Geschmacks“ als vom Aussterben bedroht aufgenommen. Geographisch gehört das Taubertal zum südlichen Franken, politisch aber zu Baden-Württemberg. Die Sorte galt als ausgestorben, man fand jedoch 1959 alte Rebstöcke, die züchterisch bearbeitet und 1996 wieder offiziell als Sorte zugelassen wurden. Die dünnhäutige, stark wuchernde Rebe erfordert erheblichen Mehraufwand im Weinberg und Ertragsreduzierung mit 2jährigem Ausbau im Holzfass, um dunkelrote, kräftige Weine mit dem besonderen leicht rauchigen Zartbitter-Geschmack zu erhalten.

Muskat-Trollinger (Spätlese 2011), Weingut Kistenmacher-Hengerer, Heilbronn
A 13 RZ 5 S 4,5

Über diese ertragreiche Rebsorte wird seit 220 Jahren in der botanischen Literatur spekuliert (in Deutschland seit 1850 nachgewiesen), möglicherweise stammt diese Rebsorte aus England, zahlreiche Synonyme weisen auf eine weltweite Verbreitung hin. Lt. DNA-Analysen handelt es sich um eine Kreuzung zwischen Schiava Grossa x Muscat d`Alexandrie, hat also keine Verwandtschaft mit den zahlreichen anderen Muskattrauben (außer dass sie auch als Tafeltraube beliebt war). Die mittelreifende Sorte bringt leichte, aber rubinrote Rotweine mit leichtem Muskatton hervor.

Lörzweiler Hohberg Rosenmuskateller (Weißherbst Spätlese mild 2015), Weingut Gottwald & Sohn, Lörzweiler
A 10 RZ 60,1 S 7,6

Vermutlich stammt diese rein weibliche Rebsorte aus Dalmatien (wo sie seit ca. 300 Jahren nachgewiesen ist) und ist – lt. DNA Analysen – ein direkter Nachkomme von Muscat Blanc, der zweite Elternteil ist unbekannt. Die mittel- bis spätreifende, aber sehr dünnhäutige Beere bringt nur zwiebelschalige Rotweine mit Aromen nach Rosen (daher der Name) hervor und wird deshalb gerne als Weißherbst ausgebaut. Die ca. 70 ha Anbaufläche sind dominant in der DOC Südtirol und Kroatien zu finden.

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