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Höllenberg und Welterbeschiff St. Nikolaus I

Der deutsche Romanée-Conti? Der Assmannshäuser Höllenberg

100 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder von 1882 bis heute

Da wären wir sicher gerne dabei gewesen – leider gibt es keine Möglichkeit mehr zur Teilnahme. Vielleicht machen wir einfach mal eine eigene Veranstaltung dazu – ich wäre dabei, vielleicht nicht mit 100 Weinen, aber mit 20 oder so :-))

Interessant wäre sicher auch eine Verkostung des Assmannshäuser Höllenbergs (meines Hausberges) eines Jahrgangs – jedoch verschiedener Winzer. Immerhin ca. 70 Winzer, darunter neben Kloster Eberbach auch Fritz Allendorf, August Kesseler, Robert König und das Weingut
Krone sowie Künstler, Corvers-Kauter und Chat Sauvage uvm., mit möglicherweise unterschiedlichen Philosophien versuchen Jahr für Jahr, sich der burgundischen Finesse eines  Romanée-Conti anzunähern.

FINE Das Weinmagazin und das Weingut Kloster Eberbach richten am Montag, den 25.04.2022 und Dienstag, den 26.04.2022, im stilvollen Ambiente des Biebricher Schlosses in Wiesbaden eine einzigartige Jahrhundert-Probe aus. Verkostet werden 100 Spätburgunder aus 90 Jahrgängen.

„Was wir hier erleben werden, ist eine Weinprobe der Superlative! Es ist weltweit die erste Spätburgunderprobe mit 90 Jahrgängen vom Assmannshäuser Höllenberg von 1882 bis heute. Wir öffnen unsere Schatzkammer und verneigen uns vor den aus dem Burgund stammenden Gründern des Klosters Eberbach, die im 12. Jahrhundert die edle Rebsorte in den Rheingau gebracht haben.“

Weltraritäten aus 3 Jahrhunderten

Zelebriert wird einer der großen Spätburgunderweinberge der Welt: Der Assmannshäuser Höllenberg. Einer der Sensationsweine stammt aus dem Jahr 1882. Eine Kollektion der Weine mit den Jahrgängen aus der Schatzkammer des Weinguts Klosters Eberbach mit dem John-F.-Kennedy-Wein 1917, von den 20er, 30er, 40er und 50er Jahren bis in die Gegenwart runden die einzigartige Verkostung ab.

Ein kultureller Schatz für das Land Hessen und Deutschland: Die Weine des Assmannshäuser Höllenbergs gehören an die Weltspitze des Pinot Noirs

„In dieser großartigen Probe wird mit einer konsequenten Zeitperiode von 3 Jahrhunderten gezeigt, dass deutscher Wein wieder den Anspruch hat, der beste Wein der Welt zu sein.“
Ralf Frenzel
Tre Torri Verleger und FINE Herausgeber

Besonders durch die Weine, die bereits in kleineren Proben von FINE Das Weinmagazin verkostet wurden (03/2008, 01/2009, 04/2014, 04/2019), hat FINE Das Weinmagazin der Weinwelt das Potential der Spätburgunder aus dem Rheingau dokumentiert – jedoch immer auf eine limitierte Anzahl an Weinen (12- 18 Flaschen) begrenzt. Die Vergleichsprobe zeigte dabei, dass die Weine des Assmannshäuser Höllenbergs den Weinen des Burgunds und explizit der weltberühmten Domaine de la Romanée-Conti ebenbürtig sein können.

In dieser großartigen Probe im Schloss Biebrich im Herzen der Landeshauptstadt wird mit einer konsequenten Zeitperiode von 3 Jahrhunderten gezeigt, dass deutscher Wein wieder den Anspruch hat, der beste Wein der Welt zu sein.

Der Assmannshäuser Höllenberg – Ein Weinberg im Wandel der Zeit

Auszüge aus FINE 03/21. Artikel Michael Schmidt

Es gibt unzählige Rebberge in der Welt, aber nur wenige, die sich durch ihre einzigartige Lage als Herkunftsort außergewöhnlicher Weine solch einer Ausnahmestellung rühmen können wie der Assmannshäuser Höllenberg im Rheingau – und das bei einer Hangneigung von bis zu 65%. Aus der Spätburgundertraube erzeugt, kommen von hier Rotweine, die sich zu ihren Hochzeiten im 20. Jahrhundert mit den wertvollsten burgundischen Grands Crus wie Chambertin oder Romanée-Conti messen konnten. Heute ist man wieder auf dem besten Weg dazu.

Begünstigt vom sonnenverwöhnten Jahrhundertsommer 1920 mit dem trockensten Oktober seit Jahrzehnten, gelang der Domäne ein wahres Monument von Pinot Noir, das selbst noch bei einer FINE Verkostung ein Jahrhundert später mit Harmonie und Komplexität beeindruckte. Diesen hohen Standard konnte man über die folgenden 40 Jahre hinweg bis zum Jahrgang 1959 aufrechterhalten, was den Höllenberg zum einzig wahren internationalen Konkurrenten der erlesenen Pinot Noirs aus dem Burgund machte.
Besonders Herausragendes gelang mit den Jahrgängen 1933, 1937, 1943, 1947 und 1953 – bei einer vertikalen Verkostung für das FINE-Magazin im Jahr 2014 standen diese Weltklasseweine noch im Zenit ihres Könnens. Niedrige Erträge, kleinbeerige Trauben, hohe Reife, geschliffene Mineralität und herzhafte Säure sind die gemeinsamen Parameter, die diese überwältigende Qualität aber nur im Ansatz erklären können. Erwähnenswert ist auch, dass die
Weine solcher Jahrgänge wie 1942 oder 1944 vorwiegend von Frauen gemacht wurden – bis dato eine reine Männerdomäne.

In den 1960er- und 70er-Jahren wurde es still um den Höllenberg. Auch, weil man bei der Domäne, die 1945 Teil der Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach geworden war, Anfang der 1960er Jahre einen vom Land Hessen ein Paradigmenwechsel angeordnet, hinsichtlich der Stilistik des Spätburgunders, der nicht im Einklang mit der vorherigen Ausbauphilosophie stand. Heute kaum verständlich, wurde beschlossen, dass alle Rotweine künftig restsüß ausgebaut werden. Damit wollte man dem Verlangen des Verbrauchers nach Süßem auch beim Wein Rechnung tragen, das durch den Zuckermangel in den Kriegs- und frühen Nachkriegsjahren ausgelöst worden war. Tannin war »out«, Körper wurde durch Gefälligkeit ersetzt, blumige Duftigkeit das Maß aller Dinge.

Die Kehrtwende beim Ausbau des Assmannshäuser Höllenbergs, also die Rückkehr zur konsequent trockenen Vinifizierung im traditionellen Stil, wurde im Kloster Eberbach mit dem Jahrgang 2002 durch Gutsdirektor Dieter Greiner eingeleitet.
In alten Kellerbüchern, die er in der historischen Weinbibliothek des Klosters entdeckt hatte, fand er detaillierte Einträge über die Erzeugung des Spätburgunders vom Höllenberg zwischen 1882 und 1951, an denen man sich orientieren konnte, zumal über 80 % der ursprünglichen Parzelle des Höllenbergs im Besitz von Kloster Eberbach sind. Bei der seit Ende der 1980er-Jahre eingeleiteten Renaissance des Höllenbergs waren neben Kloster Eberbach von Anfang an auch Fritz Allendorf, August Kesseler, Robert König und das Weingut Krone mit dabei. Doch auch die später dazugestoßenen Weingüter Künstler, Corvers-Kauter und Chat Sauvage haben sich um den Ruf der Lage, die inzwischen zum Welterbe der Unesco gehört, große Verdienste erworben. Der einzigartige Charakter des Höllenbergs inspiriert aber nicht nur gestandene Erzeuger, sondern weckt mit seiner Historie auch das Interesse einer neuen Winzergeneration.

Geht man der Legende mit naturwissenschaftlichen Mitteln auf den Grund, ergibt sich Folgendes: In einer Höhe von 80 bis 250 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, beträgt der Neigungswinkel des Steilhangs zwischen 30 und 65 Prozent. Das bedeutet, dass viele Weinbergarbeiten von Hand erledigt werden müssen. Neuanlagen werden auch querterrassiert um die Biodiversitätsflächen im Weinberg zu erhöhen und dem Klimawandel Rechnung zu tragen. Die mittel- bis tiefgründigen, violetten Phyllitschieferböden mit ihren Mineralanteilen von Augit, Turmalin, Quarzit und Eisenoxid bilden hervorragende Wärmespeicher, die im Herbst die Vegetationsperiode verlängern und den Trauben so Gelegenheit bieten, den optimalen Reifezustand zu erreichen. Dazu trägt auch die süd- bis südwestliche Ausrichtung der Lage bei. Durch niedrige pH-Werte und ausgezeichnete Drainageeigenschaften trägt der Boden das Seine zur außergewöhnlichen Qualität bei. Trotz oder vielleicht gerade wegen der
inzwischen herangewachsenen nationalen Konkurrenz herausragender Spätburgunder aus Baden, der Pfalz, Franken und von der Ahr ist der Höllenberg im 21. Jahrhundert nun wieder auf dem besten Weg zu seiner einstigen Größe.

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