Nochmal: mit dem Schiff auf dem Rhein (ein Nachtrag)

Meine Begeisterung über die önologische Schiffsreise mit dem Collegium Vini auf dem Rhein war so groß, dass ich eigentlich sofort darüber einen kleinen Beitrag schreiben wollte. Aber der heiße Sommer hatte in Andalusien die Trauben frühzeitig reifen lassen, so dass ich mich sofort nach der Rückkehr in den Süden begeben musste, da die Weinlese in unseren Rebgärten bereits anstand. Im Reisegepäck befand sich Peter Sloterdijks neue Übersetzung von „Der kleine Prinz“. Mit diesem Kinderbuch für Erwachsene hat Antoine de Saint-Exupery noch kurz vor seinem Tode bekanntlich Weltliteratur geschaffen. Immer kann ich mich für die Aussage des Fuchses begeistern, der den kleinen Prinzen belehrte: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Da waren sie dann wieder vor meinem geistigen Auge, die Bilder von der hinreißenden Kulturlandschaft des Rheintals mit ihren Burgen, Schlössern, alten Dörfern und Weinbergen. Die Weine, die wir im Glas hatten, stammten allesamt von Trauben des Landes an dem wir gemächlich vorbeifuhren und dessen Terroir-Duft zu uns herüberwehte. Nach der späteren Lektüre des kleinen Prinzen wurde mir sehr deutlich, dass man das Herz nicht nur zum sehen benötigt, sondern genau so zum genießen eines Weines. „Man schmeckt nur mit dem Herzen gut“ könnte man Saint-Exuperys Aussage abwandeln.

Was ist das Herz im Zusammenhang mit sinnlichen Genüssen wie dem Sehen und dem Geschmack? Das Herz kann nur der Geist sein, jene schöpferische Kraft, die in uns die Wahrnehmungen und Eindrücke mit der Seele verknüpft. Im Angesicht der Weinberge und Denkmäler beseelt der Geist unsere Sinne und macht aus dem Reiz von Geschmacks- oder Geruchsnerven ein komplettes und unverwechselbares Erlebnis. Der Geist ist das verborgene Wesen auch in der Person des Weintrinkers, wie wir alle auf der Rheinfahrt am 27. August, 2016 irgendwie gespürt haben. So kommt es auch im obigen schönen Beitrag von Herrn Klaus Rössler zu der Reise zum Ausdruck.

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