Ein sächsischer Wein aus 1001er Nacht

Collegium-Mitglied Wolfgang Uhl hat zur Jahrgangsprobe 2014 einen Wein mitgebracht, der mich total begeistert hat. Es war der „Riesling & Traminer 2014“ und stammte aus der Weinmanufaktur am Mariaberg Martin Schwarz im sächsischen Meissen. Auf ihrer Internet-Seite berichten die beiden Weinmacher der Manufaktur Martin Schwarz und Grit Geißler von Steillagen, die mit 30 Jahre altem Traminer und Riesling bepflanzt sind und genau aus diesen beiden Rebsorten haben sie in Handarbeit etwas unbeschreiblich Charmantes gemacht: eine feine, elegante und dennoch saftig-aromatische Cuvée. Nur 20 % des Mostes stammen vom Traminer, der Rest ist Riesling. Diese jeweiligen Anteile reichen um dem knackigen, etwas schroffen Riesling einen Anstrich von warmen, mystischen Farbtönen zu geben, die sich am Gaumen zu einem faszinierenden Musikstück zusammenfügen. Der kurze Ausbau im Holzfass gab noch eine zart kräutrige Geschmacksdimension dazu.

Am Ende der erwähnten Probe des Collegium Vini gab es, Gott sei Dank, noch eine überzählige Flasche, dich ich erwerben konnte. Gestern Abend nun habe ich sie geöffnet und konnte mich ihrem Zauber hingeben. Schon der Duft im Glas von Rosen und Rosinen hat mich wieder begeistert und an die Geschichten der Scheherezade aus dem orientalischen Königspalast des Harun ar-Raschid erinnert. Am Gaumen dann frische Litschis, ein Hauch von Quitte und Mirabelle mit zarter Säure unterlegt, dazu noch weiche, balsamische Noten. Es war die Sinnlichkeit der tausend und einer Nächte in den Tönen von Maurice Ravel, die mich urplötzlich umgab. Was für ein magischer Wein! Im Laufe der Nacht war die Flasche schließlich leer und zurück blieben wohlige Träume und die Erinnerung an ein schönes Weinerlebnis.

Darf man sich beim Weingenuss emotional so gehen lassen wie ich es gerade beim sächsischen „Riesling & Traminer“ tat? Mancher Purist wird mir vermutlich sensorische Verirrung und/oder Huldigung von Geschmackskitsch vorwerfen. De gustibus non est disputandum.

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