Jahresbericht 2013 des Präsidenten

„Schenk mir ein: Stärke und Mut schöpfen Körper und Seele aus dem Trinken.“
(Giuseppe Verdi,  Der Troubadour,  Zweiter Teil,  Szene 4,  Chor der Zigeuner)

Liebe Collegiatinnen und Collegiaten,

Wein im Morgengrauen als Stärkungsmittel für das Tageswerk – vor hundert Jahren war dies ein Element bäuerlichen Lebens. Welch ein Wandel zur heutigen Rolle des Weines als Konsumgut mit Prestigefaktor. Weinkennerschaft gehört zum Repertoire des trendbewussten Verbrauchers. Wir im Collegium Vini sind aber keine Trendfolger,  sondern widmen uns seit über 60 Jahren,  losgelöst von Mode und Zeitgeist,  dem praktischen Studium des Weines. Auch im abgelaufenen Jahr haben wir schöne Weinerlebnisse miteinander geteilt,  auf unseren Studienfahrten und bei unseren Proben im Steigenberger Hotel Bad Homburg.

Hervorstechendes Ereignis war die Studienreise in die Südsteiermark im Juni. Georg und Edith Weiß haben wieder einmal alle Register ihrer Kennerschaft gezogen,  um uns ein Wein- und Kulinarikprogramm der Spitzenklasse zu bereiten. Der Einklang von zauberhafter Landschaft,  freundlichen Gastgebern,  edler Regionalküche und Weißweinen der europäischen Spitzenklasse hat alle Teilnehmer fasziniert. Große Namen des steirischen Weinbaus (Peter Skoff,  Tement,  Wohlmuth,  Lackner-Tinnacher) lösten bei unseren Proben ihr Qualitätsversprechen überzeugend ein. Haben wir je bessere Sauvignons Blancs probiert als den 2011 Zieregg von Tement oder den 2008 Welles von Lackner-Tinnacher? Von erster Güte sind auch die Morillons (Chardonnays) wie der 2012 Morillon von P. Skoff und der 2009 Edelschuh von Wohlmuth. Großartig schließlich die Muskateller: 2012 Steinriegel von Wohlmuth,  2012 Gamitz von Lackner-Tinnacher.
Lob und Empfehlung verdienen auch die besuchten Restaurants: Sattlerhof,  Jaglhof in Gamlitz,  Magnothek (Tement) in Berghausen,  Kirchenwirt in Kitzeck und Stainzerbauer in Graz. Ebenfalls ein Kompliment für unsere nette Gastgeberin Eva Lambauer vom „Bacchuskeller“ in Gamlitz. Komfortable Zimmer,  Frühstück und Jause im schönen Garten trugen zum allgemeinen Wohlbefinden bei.
Zum Schluss noch zwei persönliche Tips: die Jause im Weingut Peter Skoff,  edelste Produkte auf einer traumhaften Aussichtsterrasse unter Weinlauben und die Ölmühle Hartlieb in Heimschuh,  feinstes Kübiskernöl,  aromatisierte Kürbiskerne (Lavendel,  Schokolade).

Im September führte eine 2tägige Studienfahrt an die Ruwer und die Saar. Hierzu der folgende Bericht von Herrn Dr. Bauke:
Dank unserer erfahrenen und engagierten Gebietsbeauftragten Frau Dr. Schmitges-Thees war es gelungen,  drei Spitzenerzeuger an einem der gefragtesten Wochenenden des Jahres zu besuchen. Im versteckt gelegenen Karthäuserhof an der Ruwer erwartete der Kellermeister Chr. Vogt geduldig den mit einer Stunde Verspätung eintreffenden Bus. Seine kenntnisreiche Präsentation wetteiferte mit der Klarheit und der Brillanz der Tyrell´schen Weine.
Der anschließende Besuch galt Pfalzel (röm. Palatiolum) vor den Toren von Trier,  einem 355 – 360 errichteten palastartigen Landsitz,  der bereits von Venantius Fortunatus 588 bezeugt wird und in welchem dessen Schwägerin Adula ein Nonnenkloster errichtete. Wir besichtigten die Stiftskirche St. Maria und das Haus der Großeltern von Frau Machau aus dem Rokoko.
Der Abend war dem Weinhaus Lauer in Ayl vorbehalten. Hier kredenzte uns Herr Peter Lauer seine charaktervollen,  individuellen Weine von der Ayler Kupp,  vom Schonfels und vom Saarfeilser,  die wirkungsvoll das delikate Menü begleiteten.
Am Sonntagvormittag erblickte die Mehrzahl der Teilnehmer zum ersten Mal das kleine,  aber überaus feine und renommierte Weingut von Hövel in Oberemmel,  dessen Besitzer Maximilian von Kunow uns in seiner umgestalteten Vinothek und seinem 1200 Jahre alten Gewölbekeller empfing. Glanzvolle,  raffinierte Weine mit viel Spiel und Eleganz vom Scharzhofberg,  von der Oberemmeler Hütte und vom Kanzemer Hörecker zeigten den ganzen Finessenreichtum,  dessen die Saar-Rieslinge fähig sind.
Vor der Rückreise gab es noch eine Gelegenheit zu einem Bummel durch das idyllische Saarburg.

Unsere Weinprobe im Februar nahm uns mit auf die Inseln des Mittelmeers. Stationen der virtuellen Kreuzfahrt waren Mallorca,  Korsika,  Sardinien,  Elba,  Sizilien,  der Peleponnes,  Santorin und Samos. Wie groß ist doch der in der regionalen Vielfalt wurzelnde (wein)kulturelle Reichtum unseres alten Europa! Autochthone Rebsorten,  von qualitätsorientierten Winzern an- und ausgebaut – eine Probe mit ebenso hohem Lern- wie Genussfaktor.

Die Festliche Weinprobe im April war den Mitgliedern der Familie der Burgunderreben aus Europa und Übersee gewidmet. Das geschmackliche Spektrum der weißen und roten Burgunder war beeindruckend breit: die edlen Originale von der Côte d´Or zogen einsam ihre Sternenbahn (2010 Meursault les Chaumes des Perrières von Phillippe Colin,  1989 Beaune Les Grèves 1er Cru von Domaine Guillemard-Pothier). Dagegen die Pinot Noir-Blockbuster aus Kalifornien (2009 Arroyo Secco von Scott) und Neuseeland (2010 Block B,  Wairarapa,  Schubert Estates ,  Martinborough – verbindet Wucht mit Eleganz). Deutsche Spätburgunder mit eigener Stilistik: maßvoll eingesetztes Holz,  feinfruchtig,  passende Säure (2009 Schulen von Ziereisen,  Efringen/ Baden; 2010 Spätburgunder B von Friedrich Becker,  Schwaigen/ Pfalz). Eine spannende und kontrastreiche Probe.

Klassiker des Collegium Vini sind die zwei Jahrgangsproben deutscher Weine (2012) im Oktober und November. Hier liegen die historischen Wurzeln des Vereins,  der 1951 als Einkaufsgemeinschaft Frankfurter Unternehmen für die Bestückung ihrer Firmenweinkeller entstand. Heute gehören dem Collegium Vini nur mehr „private“ Weinliebhaber an. Sie sind aber ebenso gespannt darauf wie ihre Ahnherren,  die besten Weine des aktuellen Jahrgangs aus allen deutschen Anbaugebieten zu verproben,  um für ihren Weinkeller einzukaufen. Somit sind die Gebietsbeauftragten stark motiviert,  besonders gute Weine (aller Preisklassen) aus ihren Anbaugebieten vorzustellen. Dies ist ihnen wiederum bestens gelungen. Jeder vorgestellte Wein ist eine Kaufempfehlung. Die Probenlisten finden Sie auf unserer Webseite unter „Weinproben-Archiv“. Hier daher nur der Hinweis auf ein Glanzlicht: 2012 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese *** Goldkapsel,  vorgestellt bei uns am 24. Oktober,  als beste deutsche Riesling-Auslese bewertet vom Gault et Millau Weinführer 2014 im November.

Gelungener Abschluss des Jahres war das adventliche Diner unter dem traditionellen Motto „Wein und Speisen“,  das wir unserem langjährigen Vizepräsidenten Guy Bonnefoit verdanken. Er hat unseren Besuch im Landhaus von Wolfgang Dubs (Osthofen) geplant,  der mit ihm zu den Gründern der deutschen Sommelierunion gehört. Seine kreative regionale Küche – auf höchstem handwerklichen Niveau – war perfekt mit den begleitenden Weinen aus Rheinhessen abgestimmt. Bewusstes Genießen,  ganz in der Tradition des Collegium Vini.

Kompetenz in Wein und Kulinarik stellen unsere Aktiven Jahr für Jahr unter Beweis. Als Weinamateure gestalten sie für unseren Verein in Eigenarbeit Weinproben und Weinreisen auf hohem Niveau. Dafür gilt ihnen unser aller herzlicher Dank.

Auch für 2014 können sich unsere Mitglieder und stets willkommene Gäste auf ein anspruchsvolles Veranstaltungsprogramm freuen. Hinweisen möchte ich auf die Südafrika- Reise im Oktober/ November. Die Ausschreibung haben Sie schon erhalten. Wichtig ist: wir bewegen uns in malariafreien und in puncto Sicherheit einigermaßen unbedenklichen Gebieten. Die Reise ist mit ihrem Qualitätsniveau und Preis- Leistungsverhältnis konkurrenzlos! Daher mein Aufruf: kommen Sie mit und werben Sie im Freundes- und Bekanntenkreis dafür. Übrigens: das Reisebüro arbeitet daran,  für die langen Flüge optional die Businessklasse anzubieten. Dazu in Kürze mehr.

Mir legt noch eine Bitte am Herzen: nutzen Sie stärker unsere neu gestaltete Webseite. Als Leser und als Autor von Artikeln. Das ist technisch einfach (außerdem „werden Sie geholfen!“) und macht Spaß. Wenn Sie also ein interessantes Weingut oder eine Probe besuchen,  schreiben Sie darüber und stellen Sie ein Foto ein.

Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen Gesundheit,  Lebensfreude und viele schöne Weinerlebnisse
Ihr

Dr. Klaus Schubäus

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