Jahresbericht 2011 des Präsidenten


Bericht des Präsidenten über das Vereinsjahr 2011

 

Liebe Collegiatinnen und Collegiaten,

 

schnell ist das Jahr 2011 an uns vorüber gegangen. Manchmal wünscht man sich, das Zeitempfinden auf das Tempo der Kindheit drosseln zu können, als ein Jahr endlos zu dauern schien. Tempi passati…Eines können wir im Collegium tun, erinnernswerte Genusserlebnisse um den Wein zu gestalten, die Fixpunkte im Jahresablauf sind, von der ersten Weinprobe im Februar über die sommerliche Studienfahrt bis zum Adventsessen.

 

Den Jahresauftakt 2011 bildete im Februar eine Probe mit europäischen Weinen von Schieferböden. Den in der Einladung angesprochenen „gemeinsamen europäischen Schiefergeschmack“ konnten wir nicht entdecken, statt dessen Weinunikate mit unterschiedlicher Terroirnote vom Schiefer: neben Riesling- Klassikern von Mosel und Rhein zwei Lagenrieslinge von Marc Kreydenweiss aus dem Elsass, einen Fläscher Sauvignon Blanc von Adank (Bündner Herrschaft, 2010 vom Collegium besucht) und ein breites Spektrum von Rotweinen, vom Assmannshäuser Höllenberg, über Clos Martinet, Los Terrasses (Priorat) bis zum Cerro de la Retama(Contraviesa- Alpujarra).

 

Im März erlebten wir das Weinland Portugal mit beeindruckender Vielfalt von autochtonen Rebsorten und landschaftsgeprägten Weinstilen. Im Süden entsteht der spritzige. Vino Verde mit apflig- kräutriger Geschmacksnote; vom Tejo, Dao und Duoro kosteten wir gehaltvolle, komplexe Weißweincuvees. Den Rotweinen vom Duoro verleihen die Rebsorten Touriga Nacional und Touriga Francesca ein eigenständiges Aromenspektrum. Winzer wie Dierk Nieeport oder die Quinta do Vale Dona Maria positionieren sich in der Elite europäischer Rotweinerzeuger.

 

Die Festliche Weinprobe im April stellte zum sechzigjährigen Jubiläum des Collegium Vini Weine von deutschen Winzerinnen im Weinfrauen- Netzwerk „Vinissima“ vor. Die fünf teilnehmenden Damen überzeugten durch eine stimmig aufgebaute Probe mit qualitätsvollen Weinen. Ihr gemeinsamer Auftritt war ebenso fachlich kompetent wie sympathisch. Selten wurde im Collegium so lebhaft diskutiert. Mit Schlagfertigkeit und Humor parierten die Vinissimae „chauvi- angehauchte“ Diskussionsbeiträge. Solche gemeinsamen Proben mit Winzern sind eine Bereicherung unseres Veranstaltungsprogramms.

 

Höhepunkt des Jahres war die von Guy und Luzia Bonnefoit organisierte Studienfahrt nach Bordeaux im Juni. Sie drohte zu Ende zu sein, ehe sie losging: unser Hinflug wurde nach mehrstündigem Warten annulliert. 27 Collegiaten erreichten mit Mühe den TGV, der sie in zwei Gruppen nach Bordeaux brachte.

Die Trauer über die verpasste Probe im Chateau Mission Haut Brion wurde aufgewogen durch Freude und Begeisterung über die Besuche und Proben bei den Chateaux Calon Segur, Cissac, Lynch Bages, Domaine de Chevalier, Figeac, La Pointe, Maison Blanche, Coutet, Doisy-Daene und durch Abendessen in den stilvollen Räumen der Chateaux Pape Clement und Angelus. Jeder Collegiat hat schon gute Bordeaux- Weine verkostet, doch eine solche Fülle edelster Gewächse an drei Tagen zu erschmecken, war schlicht überwältigend. Meine persönlichen Favoriten: 2005 Figeac, 2007 Pape Clement, 1998 Coutet.

Dem Stil der Chateaux entsprach die Noblesse (ohne Überheblichkeit!) und Gastfreundschaft der Inhaber, die uns empfingen. Anregend waren die Gespräche mit den zum Teil jungen Kellermeistern, die uns ihre Fachkompetenz rhetorisch gewandt vermittelten. Auch im Weingespräch erweist sich die Eleganz der französischen Sprache.

Die Kellerführungen zeigten uns als Gemeinsamkeit der Spitzenbetriebe: die wissenschaftliche Fundierung ihrer Arbeit in Weinberg und Keller, die penible –weitgehend ökologische- Pflege der Rebanlagen, parzellenweise Handlese zum optimalen Reifezeitpunkt, Traubenselektion (teils bis zur einzelnen Beere), schonende Behandlung des Weins bei der Kelterung, Vergärung und Reifung in überwiegend neuen Barriques.

Diese unübertreffliche Studienfahrt nach Bordeaux geht wie ihre Vorgängerin im Jahr ……in die Annalen unserer Vereinigung ein.

 

„…wenn das Gute liegt so nah.“: an die schöne Nahe führte uns eine Tagesfahrt im September. Bei hochsommerlicher Temperatur genossen wir vom Johannisberg den Blick auf Wallhausen und seine es umgebenden Rebhänge, um dann zum Schloss Wallhausen hinabzuwandern, wo wir im kühlen Gewölbe des Weinguts Prinz zu Salm Rieslinge aus verschiedenen Nahe- Lagen probierten. Gestärkt von einem Menü im Landgasthof „Zur Traube“ in Meddersheim erlebten die Collegiaten am Nachmittag eine vom Inhaber Götz Blessing moderierte Probe im Hof des Weinguts Göttelmann in Münster- Sarmsheim, die uns eine breite Palette unterschiedlicher Lagen und Rebsorten- auf durchweg hohem Niveau- vorstellte.

 

Die zwei Jahrgangsproben deutscher Weine, d e r Klassiker in unserem Programm, stellten uns den schwierigen deutschen Weinjahrgang 2010 von seiner besten Seite vor. Die Gebietsbeauftragten des Collegiums kennen die besten Winzer ihrer Gebiete- große Namen ebenso wie Aufsteiger-, die nach ungünstigem Witterungsverlauf im Jahr 2010 den Mut hatten, auf den „Goldenen Oktober“ (oder gar November) zu setzen, um herrlich ausgereifte Rieslinge einzubringen, die auf kräftigem Säurefundament Frucht und Extrakt in Einklang bringen (z.B. Ayler Kupp Fass 6 von Peter Lauer, Dalsheimer Bürgel-S- von Göhring, Erdener Treppchen Spätlese von Stephan Ehlen, Bopparder Hamm Ohlenberg MM von Matthias Müller). Entdeckungen bei sonstigen weißen Rebsorten waren u.a. ein duftiger Muskateller von Gerhard Klein (Hainfeld, Pfalz) und ein kräftig- kantiger Weißburgunder vom Weingut Drei Herren aus Radebeul, Sachsen.

Auf hohem Niveau zeigten sich die Rotweine aus dem Spitzenjahrgang 2009. Sehr gelungen bei gutem Preis- Leistungsverhältnis waren die Essensbegleiter: der Frühburgunder von Gustav Huff (Nierstein, Rheinhessen) und die 2008 Buchholzer Sonnenhalde Spätburgunder „Alte Reben“ (Otto und Martin Frey, Denzlingen, Baden).

 

Unsere Veranstaltung zum Advent widmete sich zum Auftakt einem Höhepunkt im Frankfurter Kulturleben des Jahres 2011, der Ausstellung „Max Beckmann in Amerika“ im Städel. Die Kunsthistorikerin Frau…….entschlüsselte uns in ihren kenntnisreichen Bilddeutungen die mythischen Elemente und versteckten biographischen Inhalte in den Spätwerken des großen gegenständlichen Malers.

Ein Spaziergang durch Sachsenhausen führte uns zum Restaurant „Döpfner´s“, wo unsere traditionelle Veranstaltung „Wein und Speisen“ stattfand. Eine spannend aufgebaute Probenfolge spanischer Weine, ausgewählt und moderiert durch Herrn Dr. Hilgard, war von Herrn Bonnefoit und der Küche mit den einzelnen Gängen des Menüs bestens abgestimmt. Auffallendster Wein war ein monumentaler Pedro Ximenez- Süsswein, dickflüssig bei über 400 g Restzucker, dessen reiches Bouquet perfekt mit einem warmen Schokoladenkuchen harmonierte.

 

Ich hoffe, dieser Rückblick weckt bei Ihnen wie bei mir angenehme Erinnerungen an Genusserlebnisse im Collegium Vini im abgelaufenen Jahr. Wir verdanken sie den Aktiven unter unseren Mitgliedern, denen ich für ihre Arbeit als Vorstand, Gebietsbeauftragter oder Veranstalter von Proben und Studienfahrten meinen herzlichen Dank ausspreche. Auch für das neue Jahr sind wieder attraktive Veranstaltungen geplant, allen voran die Studienfahrt in die alte Kultur- und junge Weinregion von La Mancha.

 

Ein wichtiges Ereignis darf ich für Ende Januar ankündigen: dann soll unsere neu gestaltete Webseite ans Netz gehen. Sie verbessert unsere Außendarstellung und schafft ein Forum für die Mitgliederkommunikation. Ich lade alle Collegiatinnen und Collegiaten ein, durch aktuelle Textbeiträge und Photos unseren Internetauftritt mit Leben zu erfüllen. Dies soll Teil unserer gemeinsamen Anstrengungen sein, dem Rückgang unserer Mitgliederzahl entgegenzuwirken. Erfolgreiche Beispiele zeigen uns, dass „Mitglieder werben Mitglieder“ die beste Werbestrategie ist. Hierzu bitte ich Sie alle um aktive Unterstützung. Ebenso hoffe ich, dass sich Interessenten für eine künftige Mitarbeit in der Vereinsführung finden, damit wir die Zukunft des Collegiums sichern können.

 

Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen allen Gesundheit, Lebensfreude und: immer einen guten Wein im Glas.

 

Mit den besten Grüßen

 

Ihr

Dr. Klaus Schubäus

(Präsident)

 

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